Was du von Coco Chanel lernen kannst
Wie Du vielleicht schon weißt, bin ich semesterweise als Dozentin für Designgeschichte tätig. Designgeschichte ist eigentlich der langweiligste Kurs im ganzen Studium. Wenn man bedenkt, dass die Studierenden in den restlichen Kursen über innovativen und vor allem kreativen Projekten brühten. Doch genau wegen dieser Erwartungshaltung liebe ich diesen Kurs: Es gibt so viele spannende Persönlichkeiten aus der Designgeschichte, deren Weg sich einmal anzuschauen lohnt. Das Schönste für mich, ist immer der Moment im Semester, wenn sie durch die Arbeit der DesignerInnen inspiriert wurden und sie die Zusammenhänge zur heutigen Designkultur verstehen. Dann war Geschichte nämlich plötzlich gar nicht mehr so langweilig!
Nehmen wir z.B. Coco Chanel: Sie hatte nichts und kreierte von null auf hundert eine Marke, die die Mode der Frauen revolutionierte. Ihr haben wir es zu verdanken, dass das Korsett endlich passé war und stattdessen auch Frauen weite Hosen tragen konnten. Sie entwarf das schwarz-weiß-gestreifte Shirt, dass jede*r von uns im Kleiderschrank hat und sie gab der Handtasche eine Kette, damit Frau sie sich umhängen konnte und damit auch mal die Hände frei hatte.
Moderne Marketingstrategien und smarte Entscheidungen
Coco nutzte ihre Connections zu Berühmtheiten, um ihre Kreationen gezielt ins Lampenlicht zu rücken und stattete bspw. SchauspielerInnen mit ihren neuesten Kreationen aus. Eine schlaue Strategie, um ihre Marke in der Öffentlichkeit bekannt zu machen! Im 2. Weltkrieg, verlegte sie ihr Atelier an den Ort, an den auch die Reichen und Schönen geflohen waren und war damit so ziemlich die einzige Designerin, die in dieser Zeit ihren Umsatz steigern konnte. Und sie nutzte diese Zeit, um ihren Stil weiter zu entwickeln. Während wir uns in Krisenzeiten also manchmal fragen, ob wir auf dem richtigen Weg sind, investierte Coco einfach in ihren Prozess und setzte auf Markenentwicklung.
Außerdem lies sie ihr berühmtes Parfüm „Chanel No 5“ in ihren Geschäftsräumen versprühen, sodass jede Kundin es roch, wenn sie den Laden betrat. Der Duft verknüpft sich somit mit der Marke und wenn Frau das Parfum riecht, hat sie die dazugehörigen Klamotten assoziativ vor Augen. Heute werden Düfte sehr oft für Wiedererkennung eingesetzt: Die Firma Subways bspw. nutzt Geruch als Markenmerkmal und auch in manchen Hotels wird ein bestimmter Duft eingesetzt, der dann an jedem Ort gleich ist. Es vermittelt den KundInnen Behaglichkeit: Man weiß was man bekommt und fühlt sich wohl.
Ein Duft für die Welt
Chanel No. 5 war noch dazu sehr innovativ, denn während andere Düfte schnell verflogen waren, konnte Frau sich an Chanel No. 5 deutlich länger erfreuen. Es gibt dazu ein sehr bekanntes Zitat von Marilyn Monroe. Sie sagte:„Zum Schlafen trage ich nur ein paar Tropfen Chanel Nº 5“.
In diesem Satz stecken alle wichtigen Aussagen der Marke: Für die moderne Frau (die nackt schläft), Selbstwertschätzung, Selbstermächtigung, Luxus, Wohlfühlen – Es ist bis heute das meistverkaufte Parfüm der Welt!
Coco war eine spannende Frau und eben auch eine smarte Unternehmerin. Ich kann Dir nur empfehlen, an einem gemütlichen Nachmittag, mit einer schönen Tasse Kaffee, mal einen Blick in ihre Biografie zu werfen. Klar, der Film ist auch sehenswert, doch da geht es eher um ihre Liebeleien und weniger ums Business. Außerdem war Coco zu einer sehr aufregenden Zeit in Paris, nämlich in den frühen 1910er und 20er Jahren als sich dort die künstlerische Avantgarde regelmäßig zum austauschen traf – auch deshalb lohnt es sich, sie durch ein Buch besser kennenzulernen.