Nicht jeder Social-Media-Kanal ist für dich gemacht
Eine der häufigsten Fragen, die mir gestellt wird: „Auf welchen Plattformen sollte ich präsent sein?“ Die ehrliche Antwort lautet meist: auf weniger, als gedacht.
Der Irrtum der Vollständigkeit
Viele Gründer:Innen versuchen, auf möglichst vielen Kanälen gleichzeitig präsent zu sein: Instagram, Linkedin, Facebook, manchmal noch TikTok und Pinterest dazu. Die Logik scheint einleuchtend: mehr Kanäle, mehr Sichtbarkeit. In der Praxis führt dieser Ansatz fast immer zu mittelmäßiger Präsenz überall statt zu starker Präsenz irgendwo. Zudem kommt die Überforderung all diese Plattformen zu bespielen und zu managen.
Die eigentliche Frage: Wo ist meine Zielgruppe-und wie nutzt sie die Plattform?
Klar, es ist gut zu wissen, dass die eigene Zielgruppe „auch auf Instagram“ ist. Relevant ist aber auch, wie sie die jeweilige Plattform tatsächlich nutzt. Eine Person mag zwar einen Instagram-Account besitzen, ihn aber überwiegend zum passiven Konsum nutzen, ohne aktiv nach neuen Geschäftskontakten zu suchen – während dieselbe Person auf Linkedin aktiv nach beruflichen Lösungen sucht.
Plattformen unterscheiden sich nicht nur in Demografie, sondern in Nutzungsabsicht.
Pinterest wird überwiegend zur Inspiration und Recherche genutzt, oft mit langem Vorlauf vor einer Kaufentscheidung. Linkedln wird eher mit beruflichem Kontext und Vertrauensaufbau assoziiert. Instagram funktioniert gut für visuelle Prozesse und Persönlichkeit, schwächer für komplexe Erklärungen.
Die Kosten verteilter Aufmerksamkeit
Jeder zusätzliche Kanal bedeutet nicht nur zusätzlichen Aufwand, sondern auch geteilte Aufmerksamkeit. Gründer:Innen, die zwei Stunden Content-Zeit pro Woche haben, erzielen mit dieser Zeit auf einem einzigen, gut bespielten Kanal meist mehr Wirkung als mit denselben zwei Stunden, verteilt auf vier Kanäle mit jeweils dünnerem Ergebnis.
Eine Frage, die ich in diesem Zusammenhang häufig stelle:
Bevor über Content-Inhalte gesprochen wird, lohnt sich diese Frage: Auf welcher einzigen Plattform würde ich bleiben, wenn ich mich nur für eine entscheiden müsste? Diese Übung erzwingt eine Priorisierung, die viele Gründer:Innen sonst vermeiden, weil „überall ein bisschen“ sich sicherer anfühlt als „an einem Ort konsequent“ aufzutreten.
Wann sich ein zweiter Kanal lohnt
Ein zweiter Kanal ist sinnvoll, wenn der erste bereits stabil läuft – nicht als gleichzeitiger Start. In der Praxis bedeutet das: Lieber sechs Monate konsequent auf einer Plattform aufbauen, dann bei vorhandener Kapazität einen zweiten Kanal ergänzen, als von Anfang an die Aufmerksamkeit auf mehrere Fronten zu verteilen.