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Ein Moodboard ist noch keine Markenstrategie

Ein Moodboard fühlt sich nach Fortschritt an. Bunte Bilder, inspirierende Beispiele, ein erstes visuelles Gefühl für die eigene Marke. Eine Markenstrategie fühlt sich oft nach Arbeit an – Text, Struktur, Entscheidungen. Der Unterschied zwischen beiden ist größer, als die jeweilige Begeisterung beim Erstellen vermuten lässt.

Was ein Moodboard tatsächlich leistet

Ein Moodboard sammelt visuelle Referenzen – Farben, Texturen, Bildbeispiele, Schriftproben, die eine gewünschte Stimmung einfangen u.v.m.. Es ist ein nützliches Werkzeug, um eine erste gemeinsame Sprache zu finden, besonders wenn mehrere Personen an einer Marke arbeiten oder Designer:Innen die Vorstellungen der Kund:Innen verstehen möchte.

Was ein Moodboard nicht kann: Es beantwortet nicht, wer die Zielgruppe oder das eigentliche Angebot ist, und auch nicht warum diese Stimmung zur Positionierung passt.

Es bildet eine Ästhetik ab, ohne deren Begründung mitzuliefern.

Was eine Markenstrategie zusätzlich braucht

Eine Markenstrategie beginnt nicht bei der Optik, sondern bei einer Reihe von Überlegungen und Entscheidungen: Wer ist die Zielgruppe, und was genau beschäftigt sie? Was unterscheidet das eigene Angebot von Alternativen? Welche Sprache, welcher Tonfall passt zu dieser Positionierung? Erst aus diesen Antworten lässt sich ableiten, welche visuelle Sprache tatsächlich sinnvoll ist – nicht nur, welche gefällt.

Eine Marke kann stimmig „aussehen“ und dennoch nicht klar kommunizieren, was sie eigentlich anbietet und für wen. Das Moodboard mag gut gemacht sein – aber es ersetzt nicht die eigentliche strategische Arbeit.

Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Moodboard mit warmen Erdtönen, andgeschriebenen Schriftproben und Naturfotografie vermittelt eine bestimmte Stimmung – ruhig, organisch, persönlich. Wenn die eigentliche Zielgruppe aber Wert auf schnelle, effiziente Lösungen legt, kann genau diese Stimmung das falsche Signal senden, unabhängig davon, wie ästhetisch ansprechend das Moodboard ist.

Die richtige Reihenfolge

Ein Moodboard ist kein überflüssiger Schritt – es ist nur nicht der erste Schritt. Sinnvoll eingesetzt, kommt es nach der strategischen Klärung: Erst steht fest, wer angesprochen wird und mit welcher Botschaft vermittelt werden soll. Dann wird das Moodboard genutzt, um diese bereits getroffenen Entscheidungen visuell zu erkunden – nicht, um sie zu ersetzen.

Eine Prüfung für die eigene Arbeit

Wer schon ein Moodboard hat, kann es mit einer einfachen Frage überprüfen: Lässt sich aus diesen Bildern ableiten, wer die Zielgruppe ist und was angeboten wird? Wenn die Antwort nein lautet, ist das Moodboard möglicherweise hübsch – aber noch keine Markenstrategie.

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